Alles Gute zum Geburtstag, Martin Luther – Über einen Wegbereiter der Reichspogromnacht

Frankfurt_am_Main_Synagogue;_November_Pogroms (Urheber: Center for Jewish History, NYC, weitere Infos)

Als in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im ganzen Deutschen Reich Synagogen brannten, hätte es für viele der Beteiligten kein besseres Datum geben können. Am 10. November 1483 wurde in Eisleben Martin Luther geboren, die brennenden Synagogen waren für Deutsche Christen ein Tribut an ihn. Sie erfüllten mit ihrem Handeln seine Forderungen wie sie in “Von den Juden und ihren Lügen.” niedergeschrieben stehen: “Ich will meinen treuen Rat geben.

Erstlich, daß man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke sehe ewiglich. Und solches soll man tun unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, daß wir Christen seien und solch öffentlich Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gewilligt haben. Denn was wir bisher aus Unwissenheit geduldet haben (ich habs selbst nicht gewußt), wird uns Gott verzeihen; nun wirs aber wissen und sollten darüber frei vor unserer Nase den Juden ein solches Haus schützen und schirmen, worin sie Christum und uns verleumden, lästern, fluchen, anspeien und schänden, wie droben gehört, das wäre ebensoviel, als täten wirs selbst und viel ärger, wie man wohl weiß.” (Quelle, mehrdazu: Wikipedia “Martin Luther und die Juden – Von den Juden und ihren Lügen (Januar 1543)”)

Die Reaktionen der evangelischen Kirche war entsprechend, Zitat via Wikipedia:

Der Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs erklärte am 16. November 1938 mit Bezug auf ein Lutherzitat:
„Kein im christlichen Glauben stehender Deutscher kann, ohne der guten und sauberen Sache des Freiheitskampfes der deutschen Nation gegen den jüdischen antichristlichen Weltbolschewismus untreu zu werden, die staatlichen Maßnahmen gegen die Juden im Reich, insbesonder die Einziehung jüdischer Vermögenswerte bejammern. Und den maßgebenden Vertretern von Kirche und Christentum im Auslande müssen wir ernstlich zu bedenken geben, daß der Weg zur jüdischen Weltherrschaft stets über grauenvolle Leichenfelder führt.“
[…]
Der evangelische Landesbischof von Thüringen, Martin Sasse sah in den Pogromen eine Erfüllung von Martin Luthers Forderungen von 1543:
„Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird […] die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden.“

Der Vorwand für die Reichspogromnacht war das Attentat auf den Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath durch den Jude Herschel Grynszpan am 7. November 1938.