Für ein bedürfnisorientiertes und nicht-kapitalistisches Wachtumskonzept!

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In den wachstumskritischen Debatten um den Green New Deal wie vergangenen Wochenende beim Kongreß Grün.Links.Denken oder vor einigen Wochen bei der GJ Berlin mit Dr. Tadzio Müller wurde eine meiner Meinung nach zentrale Frage nicht ausreichend behandelt: Was ist eigentlich Wachstum?
Traditionell wird Wachstum über das Bruttoinlandsprodukt gemessen und zentrale Thesen wie jene dass Wachstum in der Vergangenheit immer Umweltzerstörung korreliert hat, stützen sich auf ein so gemessenes Wachstum. Da das BIP als Indikator einige Schwächen z.B. bei der Erfassung von Schattenwirtschaft und anderen nicht offiziellen Beschäftigungsformen (im Haushalt & Ehrenämter…) und Absurditäten (Terroranschläge erhöhen das BIP) aufweist, gibt es verstärkt auch von Ökonomen die „Forderung nach neuem Wachtumskonzept – Bitte kein BIP“ (Spiegel Online).
Ich sehe ihm BIP einem kapitalistischen Indikator, den er kennt keine Lebensqualität oder wie ich es nenne, ihm fehlt – wie dem Kapitalismus auch – die Bedürfnisorientierung. Wie komme ich darauf? Für mich war dies das zentrale Argument mich ernsthaft kritisch mit dem Kapitalismus auseinander zu setzen. Schön auf den Punkt gebracht hat diese Kritik am Kapitalismus Max Horkheimer: „Der Hunger allein bietet keinen Anlaß zur Herstellung von Konsumgütern.“
Natürlich beseitigt ein neuer Indikator weder den Kapitalismus noch ist sichergestellt dass das Problem „Wachstum zerstört unseren endlichen Planeten“ damit gelöst wäre – aber es wäre doch eine neue Messlatte für politisches und ökonomisches Handeln und außerdem, und das fände ich wäre der spannendste Punkt, könnte man versuchen – falls ausreichend Datenmaterial verfügbar ist – dieses Wert auch für die vergangenen Jahrzehnte zu berechnen und ggf. die Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung, der Rezensionen und der Aufschwünge sowie der Wirtschaftspolitik völlig neu schreiben.
Wie so ein alternativen Wachtstumindikator aussehen könnte wird im erwähnen Spiegelartikel ja beschrieben und „der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und sein französisches Pendant, der Conseil d’analyse économique (CAE) sollen den Regierungen beider Länder im Dezember einen entsprechenden Bericht vorlegen.“ – ich bin gespannt!

3 Gedanken zu “Für ein bedürfnisorientiertes und nicht-kapitalistisches Wachtumskonzept!

  1. Die Wachstumsindikatoren-Geschichte ist tatsächlich ein nicht ganz unspannender Teilaspekt der Debatte. Es gibt da imho Ansätze, die sind für die Tonne und solche, die ganz spannend sind.

    Die meisten gehen ungefähr so vor, dass sie sagen „Wir nehmen das BIP, rechnen noch ein paar Sachen wie Umwelt etc. dazu und fertig ist unser neuer Indikator“.

    Das spannendste, was ich zu dem Thema bisher gefunden habe, ist der Happy Planet Index:
    http://www.happyplanetindex.org/
    Die Rechnen den gefühlten Wohlstand / Glück (ja, eigenes großes Thema Glücksforschung) geteilt durch Ressourcenverbrauch. Was ich daran erstmal gut finde: Der Umsatz von Geld aka das BIP kommt darin überhaupt nicht mehr vor. Denn wie Du bereits ausgeführt hast: Mit den Bedürfnissen von Menschen hat das oft nicht viel zu tun und sollte uns deswegen auch egal sein.

  2. Hallo,

    spannend ja, allerdings sehe ich keine Rückrechnung, das wäre ganz und gar nicht im Intresse der „Whiner“, die ganz gerne Hartz4 und Lohndumping gesehen haben. Wenn man ein Mehrwertprodukt tatsächlich ausrechnen würde, würde dort soviel Arbeit hineinfliessen müssen, die unbezahlt ist, das ist nicht gewollt.
    Ich sehe auch keine Rückrechnungsmöglichkeiten, da auf lange Zeit erhobene statische Indikatoren i.d.R. an Hand dominanter (Kirchen- oder) Wissenschaftsparadigemen erhoben werden. Es wird also keine quantativen, repräsentativen Langzeiterhebungen zu unbezahlter Arbeit, vermutlich nichtmal zur Schwarzarbeit geben.

    Liebe Grüße, „Mork“ 😉

  3. Hallo ,

    in der marktwirtschaftlichen Praxis wird unter Wachstum die Zunahme des Umsatzes verstanden. Nach meinem Verständnis ist das BIP die Addition aller Unternehmensumsätze innerhalb eines (kapitalistischen) Landes.
    Eine positive Umsatzrate, also gesteigerter Umsatz wird egal ob nun beim einzelnen Unternehmen oder für die ganze (bürgerliche) Gesellschaft als „gutes Zeichen“ gesehen.

    Aufschlussreicher ist meiner Meinung nach aber die Mehrwertrate.(Profitrate,Umsatzrendite,Gewinn)

    Es wäre naiv diese Mehrwertrate aus den Angaben abzuleiten, welche die einzelnen Unternehmen in ihren Bilanzen errechnen und angeben.Hier gilt Churchill, nachdem man bekanntl. nur an die Statistik glauben soll, die man selber gefälscht hat.

    Aber der Leitzins etwa, läßt sich nicht so leicht „fälschen“, „denn er wird am langen Ende gtrieben durch die weltweiten Ersparnisse“, wie Al Greenspan kürzlich schrieb. Daher ist er sicher ein Indikator für das tatsächliche (Kapital)Wachstum, damit für das kap. Wirtschaftswachstum überhaupt.

    Bestimmt keine schlechte Idee mal die westliche WirtschaftsGeschichte langfristig aus der Entwicklung der Zinsen „neu zu schreiben“

    Klingt dir zwar sicher viel zu trocken, Du hatest, scheint mir, etwas poetischeres im Sinn,

    Peter

    Peter

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